Sommer als Zeit strategischer Weichenstellungen

Österreich schien endlich wieder auf Kurs: WIFO und IHS prognostizierten für 2026 ein steigendes Bruttoinlandsprodukt von 1,0 bis 1,2 Prozent. Die Grundrichtung stimmte – doch der Irankonflikt hat die Lage verändert. Gestiegene Energiepreise lassen diese Prognosen unrealistisch erscheinen. Experten rechnen mit einer Halbierung.
Wer die vergangenen sieben Jahre Revue passieren lässt, erkennt, dass drei externe Schocks – Coronapandemie, Ukrainekonflikt, Irankonflikt – wesentlich zur längsten Rezession seit Gründung der Zweiten Republik beigetragen haben. Die Lehre aus diesen und anderen Krisen ist immer dieselbe: Wer Krisen übersteht, tut das nicht durch Abwarten, sondern durch den Mut zur Veränderung. Fehler und Versäumnisse erkennen und beseitigen, neue Geschäftsmodelle entwickeln, mehr Resilienz schaffen, sich strategisch neu ausrichten sind echte Weichenstellungen, die unsere Unternehmen dauerhaft stärken können.
Auf politischer Ebene gilt das Gleiche. Die Antworten auf die Krisen der vergangenen Jahre waren in Teilen zu zögerlich und zu kleinteilig. Österreich braucht Mut zu echten, strukturellen Reformen ohne den Blick auf Wahlen oder Wählerschichten zu richten. Gute und mutige Reformen werden langfristig überzeugen, und mit solchen wird man vielleicht nicht die nächste, aber die darauffolgende Wahl gewinnen. Soviel Einsicht und Verständnis muss man den Wählern zugestehen.
Der Sommer war immer beides: Durchschnaufen und Vorbereitung. Vielleicht kann in der bevorstehenden Sommerzeit 2026 Raum geschaffen werden, um strategische Erfordernisse gezielt in den Blick zu nehmen und Entwicklungen zu analysieren, um die Grundlagen für zukünftige Entscheidungen zu schaffen, mit dem Ziel, das eigene Unternehmen nachhaltig für kommende Herausforderungen zu positionieren. Gleiches dürfen wir uns für Österreich von allen Verantwortungsträgern – unabhängig ob gewählt oder bestellt – wünschen.
