Als das Tote Meer noch krank war

Mit „Als das Tote Meer noch krank war ...“ leitet Alex Kristan in seinem aktuellen Programm eine Pointe ein. Dieses Wortspiel regt zum Nachdenken darüber an, was früher war und was daraus geworden ist.
Das antike Athen gilt als „Wiege der Demokratie“. Vor etwa 2.500 Jahren entstand dort erstmals eine Volksherrschaft, die auf einer Volksversammlung basierte, allerdings unter Ausschluss von Frauen, Sklaven und Fremden. Ein verlorener Krieg versetzte dieser Regierungsform nach rund 200 Jahren den Todesstoß, bis sie im 18. Jahrhundert in den USA und in Frankreich wieder aufgegriffen wurde.
Demokratie ist untrennbar mit Gewaltenteilung verbunden. Sie ist daher all jenen ein Dorn im Auge, die Macht ohne Einschränkungen und ohne Abhängigkeiten ausüben wollen. Es darf uns daher nicht verwundern, wenn moderne Demokratien nach zum Teil weniger als 100 Jahren Bestand auf totalitäre Regierungsformen zusteuern.
Die Bedrohung der modernen Demokratien ist vielschichtig. Sie beginnt aber jedenfalls beim Volk selbst, das mit Wahlbeteiligungen von zum Teil unter 50 Prozent offenbar kein Interesse mehr an dieser Staatsform hat. Können Demokratien Probleme ihrer Bürger nicht mehr lösen, dann ist dort die Demokratie akut todkrank.
Es bleibt daher zu hoffen, dass weder jetzt noch in Zukunft jemand eine Erzählung mit dem Satz „Als die tote Demokratie noch krank war …“ einleiten muss, weil Vernunft beim Volk und den Volksvertretern Platz greift, demokratische Strukturen wieder lösungsorientiert gelebt werden und damit die Demokratie gesund gepflegt wird.
